Herr Prof. Dr. Zabolitzky, könnten Sie uns bitte Ihren ältesten Computer vorstellen und ihn kurz beschreiben?

Unser MUNIAC ist technologisch ältesten Datums, denn die verwendeten Komponenten stammen aus den Jahren 1958/59. Er basiert auf Vakuumröhren als elektronische Schalter. Wir beschäftigten uns mit der Geschichte des digitalen elektronischen Rechnens, das heißt nicht mit elektromechanischen Anlagen oder anderen Vorläufermodellen. Auf elektronischem Gebiet ist die Vakuumröhre der erste digitale Schalter gewesen. MUNIAC ist eine Neuentwicklung (2000) auf diesem Gebiet.

Der Lochkartenleser ist auf Basis von Einzeltransistorlogik aufgebaut, das heißt die Logik in diesem Gerät besteht aus Schaltkarten, aus einzelnen Transistoren. Die Lochkarten waren über viele Jahrzehnte hinweg – von 1890 angefangen – das wesentliche Medium der Datenspeicherung bis in die 80er Jahre hinein. Dieses Gerät ist in der Lage, Lochkarten mit sehr hoher Geschwindigkeit (20 pro Sekunde) einzulesen, damit die Daten verarbeitet werden können.

Wie würden Sie die Entwicklung des Biocomputers einschätzen?

Das sind alles sehr interessante Ideen, die man sich auf dem Gebiet der Forschung anschauen sollte. Eine etablierte Technologie vom Sockel zu stoßen, ist etwas äußerst Schwieriges. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Silizium-Technologie in absehbarer Zeit in relevantem Umfang verdrängt werden kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

                

Interview mit Prof. Dr. John G. Zabolitzky, Physik-Professor und Vorsitzender der Gesellschaft für historische Rechenanlagen e.V., Computermuseum Muenchen, Großrechnersammlung, April 2008.

Kurzer Blick in das Computermuseum Muenchen
Prof. Dr. John G. Zabolitzky, Vorsitzender des Vereins für historische Rechenanlagen und Professor für theoretische Physik